Jubiläum 2018

Alles begann vor 40 Jahren:
Es waren einmal zwei Landkinder, ein altes Haus, Stall, Garten und Weiden. Pferd und Hund gehörten schon zur Gemeinschaft, aber leider konnte der Steilhang nicht abgeweidet werden.
Was tun?  Selber mähen? Zu aufwendig und gefährlich. Aber Ziegen konnten uns die Arbeit abnehmen. So schwierig konnte die Ziegenhaltung doch nicht sein, schließlich waren wir ja Kühe und Pferde gewöhnt, und so eine Ziege ist doch viel kleiner …
Wir machten uns auf die Suche nach Ziegen. Im hessischen Hinterland waren zwei Braune Deutsche Edelziegen, Lady und Lisa, zu verkaufen. Also Stall und Weide vorbereiten, Heu besorgen und die neuen Mitbewohner abholen.
Liebe, nette, unkomplizierte Zeitgenossen, die wahrscheinlich nicht viel Arbeit machen würden.

Lady zieht das Nachbarskind durch das verschneite Dorf

 

Ja, so dachten wir - aber das wahre Leben holte uns schnell ein…


Der Maschendrahtzaun um den Freilauf gab gleich in der ersten Woche auf, da Lady und Lisa ihn ausgiebig zum Scheuern benutzen. Zunächst wurde er durch viele einzelne Pfosten stabilisiert. Auf der Weide erkannten wir schnell, das nur ein Elektrodraht die Bande im Zaun halten konnte. Überhaupt waren uns die Biester an Einfallsreichtum stark überlegen. Jeden Morgen war etwas Neues kaputt oder entsprach nicht mehr der ursprünglichen Bestimmung.
In unserer Not wurden sie zunächst getüdert. Das fanden die Damen interessant, schließlich gab ihnen die 5m-Leine große Bewegungsfreiheit. Offensichtlich nicht genug, denn sie hatten am Ende des Tages zwar viel gesehen und Streicheleinheiten kassiert, aber wenig gefressen. Vielleicht lag es einfach daran, das sie viel lieber am sechsten Meter gefressen hätten!

  

Lisa hört der Nachbarin aufmerksam zu

Gleich im ersten Monat schrumpfte unser Landwirtschafts-Sparbuch. Ich kaufte zwei Ziegenbücher, um mich in Ziegentaktik zu bilden, neue Litze, Weidezaungeräte etc. Mit der Zeit reifte die Erkenntnis, das die Haltung von Ziegen viel anspruchvoller ist, als die von Pferden und Kühen. Selbst unsere große Deutsche Dogge erkannte die Ziegenüberlegenheit und hielt respektvolle Distanz.

  

So kam der erste Herbst und die Hormone wallten. Ein Ziegenbock musste her. Internet gab es noch nicht, also wurde rumgefragt. Ein kleines mickriges Böckchen von undefinierbarer Rasse zog ein und erledigte die Arbeit und wir freuten uns auf Nachwuchs im Frühjahr. Seine Anwesenheit sprach sich rum und andere Ziegenhalter fragten um einen Deckspruch für ihre Lieblinge nach. Zu dieser Zeit war CAE und PsTB noch kein Thema.

Ein fröhlicher Mix


Das erste Jahr hat uns neben viel Freude auch jede Menge graue Haare gebracht, aber wir waren bereits vom Ziegenvirus infiziert und es gab kein Zurück mehr.

Lange ist's her ...


So waren unsere Anfänge. Viele Ziegen und Ziegenböcke folgten. Manchmal kauften wir auf Schauen dazu, selten gelang es uns, einen passenden Bock zu unseren Ziegen zu finden. So waren die Lämmer meistens ein Mix aus allem möglichen. Trotzdem wurden sie geliebt, mussten aber auch den Weg in den Kochtopf finden.
 
Kranke Tiere stellten uns vor große Herausforderungen, denn es gab keinen Tierarzt,

der sich wirklich mit Ziegen auskannte.

Einer verweigerte sogar die Behandlung. So reifte die Erkenntnis, das wir uns selbst schlau machen mussten. Also Fachbücher kaufen, Hausmittel ausprobieren etc. 

Eine ganz besondere Hilfe war ein alter Schäfer aus dem Nachbarort. Viele Tipps und Kniffe, und das Klauenschneiden hat er mir beigebracht.

 

Später klappte es mit dem Tierarzt etwas besser, aber den Durchbruch gab der Kontakt zur Tierklinik in Gießen. Viel lernten wir über Parasiten und ihre Behandlung, verbinden von Wunden, CAE und andere Krankheiten, etc. 
Inzwischen kommen engagierte Tierärztinnen in unseren Bestand, das ist eine große Beruhigung für uns.

 

die ersten Pfauenziegen-Lämmer
Die ersten Pfauenziegen-Lämmer

Irgendwann reifte der Entschluss, sich auf eine Ziegenrasse zu spezialisieren. Eine Seltene sollte es sein. Der Kontakt zu einem Pfauenziegenzüchter ergab sich, und so zogen 2001 die ersten Pfauenziegen bei uns ein. 

 

Transportbox für Österreich

Große, schwere, aber auch menschenbezogenen Ziegen. Die wurden im Herdbuch gemeldet, und so wurden wir offizielle Züchter. Um Inzucht zu vermeiden, holten wir zwischendurch immer mal wieder Pfauenziegen aus der Schweiz und Österreich. Die Transporte waren immer ein besonderes Erlebnis.

Die Zucht wurde vergrößert, der Bestand auf CAE und PseudoTB getestet und saniert.


Um mehr über die Elterntiere erfahren zu können, richteten wir die Pfauenziegen-Datenbank ein.
Über 6000 Pfauenziegen mit und ohne Herdbuchabstammung aus Deutschland, Schweiz und Österreich sind dort erfasst. Fast 70% mit ganzer oder teilweiser Abstammung, oder mit einzelnen Informationen.


Viele Geschichten könnten wir erzählen, fröhliche und traurige. Die Highlights sind jedes Jahr die Geburten der Lämmer. Große Freude, wenn alles gut gegangen und keine Hilfe nötig war. Die Lebensfreude dieser Lämmer ist so wunderbar, das man sich daran gar nicht satt sehen kann.


Mal sehen, was die Zukunft bringt und wie in diesem Jahr die Lämmer wachsen!